Deshalb hilft dir exzentrisches Training nicht, dein Patellaspitzensyndrom los zu werden

Du hast Schmerzen an der Patellasehne?
Du hast schon mal exzentrisches Training ausprobiert, aber es hat dir überhaupt nicht geholfen oder die Schmerzen sogar verschlimmert?

Es gibt mehrere Gründe, weshalb exzentrisches Training bei dir nicht funktioniert. Generell muss die Rehabilitation bei einem Patellaspitzensyndrom natürlich an deinen individuellen Stand angepasst werden, weshalb feste Protokolle häufig nicht funktionieren.

Grund 1: Du hast starke Schmerzen am Knie und hast gelesen, dass eine exzentrische einbeinige Kniebeuge auf einem Holzkeil eine super Sache ist. Das Problem ist, wenn du die Übung machst, hast du sehr starke Schmerzen. Sollte das so sein?

Nein! Die Übung ist an dieser Stelle nicht das richtige für dich, da sie die Patellasehne zu stark reizt und für zusätzliche Schmerzen sorgt.

Schmerzt die Übung zu sehr, gilt:

Einen Schritt zurück gehen und erstmal mit isometrischen Übungen, also in einer Position haltend arbeiten!

Grund 2: Du kannst die einbeinige Kniebeuge machen, aber es verbessert sich nichts mehr und du könntest noch einige Wiederholungen mehr machen, als vorgegeben?

Dann kann es sein, dass die Belastung zu niedrig ist. Sehnen brauchen extrem hohe Lasten um zu adaptieren. Ist diese zu gering, passiert nichts mehr.

Die Lösung ist: Zusatzgewichte nehmen und diese kontinuierlich steigern!

Grund 3: Du hörst direkt auf, weil die Übung schmerzhaft ist.
Ein leichter Schmerz während der Übung ist okay. Steigen die Schmerzen stark an, ist das natürlich zu viel!

Die Lösung kann mehr Aufwärmen oder eine aufsteigende Pyramide sein, was die Gewichte während der Sätze angeht. Somit lassen die Schmerzen etwas nach und du kannst die Übung ausführen.

Hast du wirklich ein Patellaspitzensyndrom?

Du googlest Knieschmerzen und bist erschlagen von den ganzen widersprüchlichen Ergebnissen.

Vielleicht warst du auch beim Arzt und hast schon mal die Diagnose „Patellaspitzensyndrom“ oder einfach nur „entzündete Patellasehne“, vielleicht auch „Springerknie“ oder „Jumpers Knee“ bekommen.

Aber hast du wirklich ein Patellaspitzensyndrom oder ist es etwas ganz anderes?

Was wäre denn, wenn du endlich wieder schmerzfrei Sport machen könntest?

Mit diesem Beitrag kannst du herausfinden, was du genau hast.
Wichtig ist aber: Ich bin kein Arzt und dieser Beitrag kann auch keine ärztliche Diagnose ersetzen.
Dadurch, dass ich selbst betroffen war, habe ich diese Symptome selbst erlebt und gehe diese Liste auch mit Klienten, die wegen ihres Patellaspitzensyndroms bei mir sind, durch.

Die folgenden 4 Symptome treten bei einem Patellaspitzensyndrom auf:

1. Schmerzen direkt unterhalb der Kniescheibe
2. Die Schmerzen bleiben an der gleichen Stelle
3. Die Schmerzen sind abhängig von der Intensität der Belastung
4. Anlaufschmerzen & Aufwärmeffekt

1. Das wichtigste Symptom ist ein Schmerz in der Patellasehne, direkt an ihrem Ansatz, kurz unterhalb der Kniescheibe (siehe Bild 5).

2. Die Schmerzen bleiben an der gleichen Stelle. Sind sie mal außen, mal innen, mal oberhalb oder mal unterhalb der Kniescheibe, dann ist das kein Patellaspitzensyndrom.

3. Die Schmerzen sind abhängig von der Intensität der Belastung. Das heißt, je mehr du machst, desto schlimmer werden die Schmerzen. 20 Meter zum Bus joggen führt z.B. zu weniger Schmerzen, als ein Fußballtraining.

4. Am Anfang des Sports ist das Knie schmerzhaft. Nachdem das Knie aber warm wird, nehmen die Schmerzen zunächst ab, bevor irgendwann der Punkt kommt, wo die Schmerzen wieder stärker werden.

Die Ursache für ein Patellaspitzensyndrom ist meistens eine Über- oder Unterbelastung.

Du hast vielleicht auf einmal sehr viel Sport gemacht und das hat die Schmerzen ausgelöst oder eine Zeit lang wenig und dann wieder angefangen.

Deshalb ist dein MRT Bild egal, wenn du ein Patellaspitzensyndrom hast

Kommt dir die folgende Situation bekannt vor?

Du hast eine Verletzung oder Schmerzen, gehst zum Arzt und es wird erstmal ein Röntgen durchgeführt. Sollte das nichts ergeben geht es weiter mit einem MRT, manchmal auch einem Ultraschall.

Wenn du an Schmerzen an der Patellasehne oder Achillessehne leidest, warst du vielleicht auch schon mal im Röntgen, MRT oder Ultraschall.

Und, was hat es dir gebracht?

Ärzte lassen gerne erstmal ein bildgebendes Verfahren durchführen. So kann man dir als Patient ja sehr gut zeigen, was alles beschädigt ist.
Aber ist das überhaupt notwendig oder sinnvoll?

Aus einigen Studien wissen wir, dass sich MRT oder Ultraschallbilder von Sehnen zwischen dem Anfang (im schmerzhaften Zustand) und dem Ende einer erfolgreichen Behandlung nicht wirklich oder gar nicht unterscheiden (de Vos et al. 2012, Drew et al. 2014, Gärdin et al. 2010).

Genauso wissen wir mittlerweile, dass nur weil ein MRT oder Ultraschallbild eine strukturelle Veränderung anzeigt, diese nicht schmerzhaft werden muss.

Das bedeutet, dass es keine direkte Verbindung zwischen strukturellen Veränderungen und Symptomen wie Schmerzen oder Funktionsverlust gibt.

Hat das Ergebnis des MRTs oder Ultraschalls also überhaupt einen Einfluss auf die Behandlung?

Nein, man muss ja sowieso damit arbeiten, wie sich die Sehne unter verschiedenen Belastungen verhält und die Therapie daran anpassen. Dabei spielt es keine Rolle, ob eine Sehne extrem starke Veränderungen auf den Bildern aufweist oder kaum/gar keine.

In den allermeisten Fällen ist ein bildgebendes Verfahren also nicht nützlich für eine erfolgreiche Behandlung. Vor allem, da eine negative Formulierung der Diagnose dazu führen kann, dass Menschen Angst vor Belastung bekommen, was eine erfolgreiche Behandlung verhindert.

Du kannst dir vielleicht vorstellen, dass „Oh, Ihre Achillessehne sieht aus wie die eines 70-Jährigen. Da müssen sie aufpassen, dass sie nicht abreisst“ nicht unbedingt dazu führt, dass Kunden darauf vertrauen, dass schweres Wadenheben das richtige für eine erfolgreiche Behandlung ist.

Patellaspitzensyndrom: Hör auf dich zu dehnen!

Ich weiß, ich weiß, du hast Knieschmerzen oder ein diagnostiziertes Patellaspitzensyndrom und jeder erzählt dir, dass du es mal mit Dehnen probieren sollst. Liebscher und Bracht erzählen es. Dein Arzt und vielleicht auch dein Physio raten es dir.

Den Quadrizeps zu dehnen soll endlich dazu führen, dass die Schmerzen direkt unterhalb der Kniescheibe weg gehen – das Problem ist, sie gehen nicht weg. Oder wenn, nur kurzfristig.

Ich kann das absolut verstehen. Ich habe selbst ein Patellaspitzensyndrom gehabt. Häufig hat man ein Spannungsgefühl auf dem vorderen Oberschenkel. Das Bedürfnis danach, diesen zu Dehnen ist unter Umständen echt groß (Bei mir entstand immer abends beim Zähneputzen oder Kochen ein starkes Spannungsgefühl).

Vielleicht ist es sogar danach kurzfristig besser. Langfristig geht es davon aber nicht weg.

DENN: Dafür fehlt das essentielle Element, was dafür sorgt, dass die Patellasehne wieder gesund, bzw. schmerzfrei wird: eine erhöhte Belastbarkeit. Und die bekommst du nicht über Dehnen, sondern über progressives Training – angepasst an deinen Schmerz.

Vielleicht kennst du sogar jemanden, der seine Schmerzen durch Dehnen wegbekommen hat. Aber dann sage ich dir: derjenige hatte kein Patellaspitzensyndrom!

Bei einer besonders gereizten Form kann Dehnen auch für noch mehr Irritation an der Sehne sorgen! Ich selbst konnte in den ersten Wochen mein Knie gar nicht so stark anwinkeln, dass eine Dehnung möglich gewesen wäre. Hätte mir jemand zum Dehnen geraten, hätte ich ihm vermutlich eher eine verpasst

Ist Dehnen in der Reha also absolut nutzlos?

Nicht zwangsläufig, in späteren Phasen der Reha kann Dehnen dazu genommen werden. Eine Studie von Dimitrios et al. 2012 fand ein besseres Ergebnis für exzentrisches Training plus Dehnen, als bei reinem exzentrischem Training.

Dennoch rate ich dir eher von Dehnen ab und empfehle dir, dich eher auf eine schrittweise Erhöhung deiner Belastbarkeit zu konzentrieren.